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Schiessen ist Sport!  –  Wie andere Sportarten verlangt es Körperbeherrschung, Ausdauer und Geschicklichkeit, Training und Ausgleichstraining. Das Schiessen unterscheidet sich von den meisten anderen Sportarten darin, dass es ihm an Tempo und gesteigerter Bewegung fehlt. Es kennt keine sichtbare Energieentladung im heißen Wettkampf. Das Schiessen entbehrt des äußeren Schwungs und Glanzes. Der Kampf des Schützen ist anderer Art. Es ist ein Kampf mit sich selbst. Es soll hier nicht die Rede vom physischen Aufwand sein, den das bloße Stehen auf einer Stelle fordert, von einer Stunde bis zu vielen Stunden, je nach Waffenart. Auch die Hebeleistungen sollen übergangen werden. Bei einem 40 -Schuss- Programm müssen einige Zentner bewegt werden. Das besondere am Sportschiessen ist die simpel erscheinende Tatsache, dass im entscheidenden Augenblick alle Muskeln ruhen und lediglich die vorderen Glieder des Zeigefingers eine Bewegung ausführen. Die geschieht äußerst langsam und überbrückt nicht mal einen Millimeter.  Hinter diese Feststellung verbirgt sich eine Dynamik der Konzentration, der Versammlung, die die notwendigen Kräfte auf einen Punkt und zur gleichen Zeit zusammenführt.  Der beruhigte Herzschlag, das Einstellen des Auges, d. h. das Kontinuieren von Kimme und Korn und möglichst auch des “Spiegels“ auf der Scheibe, das Gewinnen der richtigen Zwerchfellspannung im Takt des Ausatmens, das “zur Ruhe-kommen-lassen“ der Laufmündung und das Auslösen des Schusses durch eine minimale Hebelbewegung, das muss alles zusammen gehen und dann zum gleichen Zeitpunkt ablaufen, um dann die Erfüllung – den guten Schuss – zu bringen. Sprüche vom sicheren Auge und der ruhigen Hand besagen wenig. Dieses tätige Versammeln, das nämlich heißt Konzentration, muss in einem Normalprogramm außer den Probeschüssen beim Luftgewehr-Schießen 40mal (bei Schülern 20mal) wiederholt werden. Jeweils ganz neu, mit dem gleichen Kräfteaufwand, mit dem gleichen Rhythmus von Spannung und Entspannung. Dieses hellwache Phlegma der Stärke beweist sich aber auch darin, dass der Schütze befähigt ist, sich rechtzeitig das Kommando “Absetzen“ zu geben, wenn z.B. das Versammeln nur in Teilen gelingt. Dann muss gewartet werden. Sportschiessen bedeutet weitgehend warten. Und bei  manchem Wettkampf hat die Tatsache
ent schie den, rechtzeitig abgesetzt und nicht geschossen zu haben. Gute Schützen kennen es trotz bester Trainingsergebnisse kommt es immer wieder vor, dass der Schütze im Wett - kampf das eigen artige Gefühl einer star - ken Belastung erlebt, wenn die Aufsicht verkündet: “Start“. Vor dem ers ten Wett kampf schuss ist plötzlich alles anders. Die Stär ke der Belastung hängt weniger von der Kondition als von der Konsti tut ion ab. Und die Anzahl g e l e i s t e t e r S c h i e ß j a h r e spricht mit, eben - so wie Tem pe - r a m e n t s ä u ß e - rungen. Aber auch alt erprob - ten Schützen ist die Unruhe bekannt, von der sie befallen werden, wenn nach einer guten Serie der letzte Schuss gelöst werden soll. Durchblutungshemmungen durch Störung der Herz-Kreislauf-Regulation was besagt das ? Wohl gemerkt: Es ist die Rede vom ge - sunden Schützen. Es geht um das, was man gemeinhin unter seeli scher Stärke ver steht. Seelische Stärke ist es auch, die einem hilft, restlos abzu schal ten, alles von außen kommende fernzuhalten vor allem die eigenen Gedanken. Der Schütze darf nicht an Sieg, nicht an Nieder lage, er darf an gar nichts denken ! Erfahre ne Schützen kamen schon zu der Erkenntnis: “Wer beim Wettkampf denkt, dass er gewinnt, der verliert !“ Ein Bundestrainer sag te hierzu: “Und wer denkt, dass er ver liert, der braucht gar nicht erst anzu treten.“ Ausgeglichenheit befähigt manchen Schüt zen, kurz vor dem Schuss den Herz schlag rhyt hmus zu verlangsamen. Der Traum er fah re ner Schützen: “Ich schieße nicht, sondern es schießt.“ Möglich ist, dass dazu Begabung gehört, möglich aber auch, dass jahrelanges Üben die Fähigkeit bringt. Wahrscheinlich gehört beides dazu. Viele Schützen haben so etwas schon erlebt, wenn Schüsse “unerwartet“ das Ziel fanden. Aber das Beispiel hervor ragender Schützen kann und sollte allen Schützen von Nutzen sein. Auch der Schütze, der in der Kreisklasse schießt, kann Gleichmut üben. Auch er kann lernen, nach guten wie nach schlechten Schüssen, die Ausgeglichenheit zu bewahren. Gleich mut ist eine Tugend. Sie zeichnet den Schützen aus. Konfuzius, der chinesische Sittenlehrer, der 551 bis 479 v. Chr. lebte, sagte: “Nur ein tugendhafter Mensch kann ein guter Schütze sein !“
Sportschiessen – Genügt Konzentration?
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